Als ich aus dem Fenster schaue, ist der Bauernhof ein Flammenmeer. Das Holz knistert und knarzt. Dort, wo das Zimmer meines besten Freundes Jens und seines Bruders Thomas war, wir vor einigen Tagen noch gespielt hatten, schlagen Flammen aus. 28 Jahre ist das her. Vermutlich war es der Tag, an dem Jens und ich wussten, dass wir irgendwann Feuerwehrmänner werden.

Es war ein kalter Montagabend im Januar 1986. Der Kamin hatte einen Riss, der Dachstuhl fing Feuer. Ein Bekannter kam zufällig bei den Möllers vorbei, alarmierte die Familie. Erst da merkte Jens (damals 8), was passierte. „Wir Kinder wurden schnell in ein Auto gesetzt und zu den Nachbarn gebracht. Als wir vom Hof fuhren, sah ich, dass der Giebel brannte“, erinnert sich Jens.

Heute ist der 36-Jährige Oberbrandmeister beim Löschzug Horneburg, hat mit Kamerad Björn Lücke eine gemeinsame Übung mit der Freiwilligen Feuerwehr Henrichenburg ausgearbeitet. Das Szenario: Ein Hof brennt, eine Person vermisst, die Flammen drohen auf umliegende Stallungen und einen Propangastank überzugreifen. Ähnlich wie in der kalten Januarnacht, als es in unserer Bauerschaft vor roten Autos mit blauen Lichtern nur so wimmelte.

Meine Gruppe muss bei der Übung die Wasserversorgung vom Hydranten legen. Der ist einen halben Kilometer entfernt, an der Dortmunder Straße. Im Ernstfall heißt das: Zum Wagen spurten, Schlauch ausrollen, ankoppeln und wieder von vorn. Die Henrichenburger haben es nicht leichter, sie müssen zur Wasserentnahmestelle (400 Meter) in die entgegen- gesetzte Richtung. Trotz angenehmer 18 Grad läuft die Suppe unter Helm und Jacke.

An der Brandstelle rücken zwei zweiköpfige Trupps unter Atemschutz – ein Horneburger und ein Henrichenburger – in das Gebäude vor, müssen die vermisste Person schnellstmöglich finden. Durch den dichten Qualm – per Nebelmaschine erzeugt – ist die eigene Hand kaum zu sehen. Die Trupps mit der Pressluftflasche auf dem Rücken und der Atemmaske vor dem Gesicht ziehen den Wasserschlauch hinter sich her, bleiben in den Türrahmen hängen. Schwerstarbeit.

Koordiniert werden die Arbeiten von drei hauptamtlichen Feuerwehrmännern aus Datteln. Im Einsatzleitwagen laufen alle Informationen über Funk ein. An diesem Abend nur zaghaft. Der neue Digitalfunk hat seine Tücken, der Kontakt reißt häufig ab und die Kollegen der Freiwilligen sind etwas „funkfaul“.

Nach wenigen Minuten ist das vermisste Mädchen in Sicherheit. Die Wasserversorgung steht, die Stallungen werden berieselt, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Dann platzt ein Schlauch, verletzt eine Feuerwehrfrau am Arm. Nichts Schlimmes. Ihre Fingernägel seien ruiniert, nimmt sie sich selbst aufs Korn.

Bei der Nachbesprechung gibt’s Lob und Tadel. Fest steht: Gemeinsame Übungen seien wichtig. „Gerade in Bauerschaften, wo wir lange Wege zurücklegen müssen, viele landwirtschaftliche Gebäude stehen, muss die Absprache klappen. Ein Löschzug alleine reicht bei so einem Szenario nicht aus“, sagt Benno Böker, Henrichenburgs stellvertretender Feuerwehr-Chef, und Amtskollege Christopher Röhnisch aus dem Schlossdorf ergänzt: „Da ist Manpower gefragt.“ Wie vor 28 Jahren…